Digitale Panoramen als visuelle Infrastrukturen

Das digitale Panorama hat sich von einer technischen Kuriosität zu einer allgegenwärtigen visuellen Form entwickelt. Street View, VR-Headsets und 360°-Kameras versprechen uns eine totale Sicht – eine Rundumsicht, die nichts auslässt.

360-degree camera setup

Totalität als Versprechen

Das Versprechen des Panoramas ist die Totalität: Alles sehen zu können, ohne den Standpunkt wechseln zu müssen. Diese scheinbare Vollständigkeit ist jedoch trügerisch. Jedes Panorama ist eine Konstruktion, ein Kompromiss zwischen technischen Möglichkeiten und visuellen Konventionen.

Virtual reality headset

Die Lücke im System

Trotz des Anspruchs auf Vollständigkeit entstehen in jedem digitalen Panorama systematische Lücken. Der Stitch zwischen den Einzelbildern, die Verzerrung an den Polen der Kugel, die Invisibilität des Kamerastandorts – diese strukturellen Leerstellen sind nicht Fehler, sondern konstitutive Elemente der Panorama-Form.

Digital panorama stitching visualization

Algorithmische Montage

Die Herstellung digitaler Panoramen ist ein algorithmischer Prozess. Software-Systeme entscheiden über Belichtung, Farbbalance und Bildausschnitt. Was als neutrale Dokumentation erscheint, ist das Ergebnis komplexer Berechnungen und Entscheidungsalgorithmen.

Street view car with cameras


Diese Forschung untersucht, wie digitale Panoramen als visuelle Infrastrukturen funktionieren – als unsichtbare Systeme, die unsere Wahrnehmung von Raum und Zeit organisieren.